Ein gewisser Anonym* hat es geschafft mit einem kleinen Scherz aufzudecken, wie gutgläubig die Menschheit doch ist. Dabei hat er nicht nur mich, sondern auch zahlreiche Journalisten richtig schön hinters Licht geführt.
Abends auf dem Sofa haben wir noch gezählt und uns über elf Vornamen amüsiert, während Journalisten von Spiegel Online, der taz, der RP, der Süddeutschen Zeitung und viele weitere sie einfach kopiert haben. Ganz simpel, mit Strg+C.
Als abzusehen war, dass Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg das Amt des Wirtschaftsministers übernehmen sollte, hat besagter Anonym* auf der Wikipedia aus den “nur” zehn Vornamen des Freiherrn einfach elf gemacht. Zwischen Philipp und Franz hat er noch ein Wilhelm gesetzt. Nach dem Wikipediaprinzip hat ihn das sicherlich keine zwei Minuten gekostet.
Auf dem Bildblog gesteht er nun per Gastbeitrag seine Tat.
Was im ersten Moment noch witzig zu lesen ist, ist im zweiten Moment irgendwie erschreckend. Belege, dass Bild - sagen wir - relativ frei im Umgang mit Quellen ist, liefert Bildblog zuhauf. Das aber auch seriöse Medien (und da zähle ich Spiegel Online jetzt nicht zu) einfach aus Wikipedia kopieren ohne zu recherchieren ist bedenklich. Ein paar Vornamen sind jetzt kein Kapitalvergehen, aber im Kleinen fängt es bekanntlich an. Wer vermag schon zu sagen, was sonst so alles gutgläubig aus Wikipedia oder sonstwoher kopiert wird?
Paradox finde ich, dass der Selbstkontrollmechanismus der Wikipedia den Namen kurzzeitig wieder rausgestrichen hat, er aber dank der vielen Medienbelege wieder eingefügt werden durfte.
So baut man sich seine Wahrheit selber.
Gegner von Wikipedia und Menschen, die den Untergang des Qualitätsjournalismus prophezeien, wird auf jeden Fall wieder (ein bisschen) Wasser auf die Mühle gegossen.
Was wohl der Karl-Theodor gedacht hat, als er das erste Medienclipping als Wirtschaftsminister auf seinem Tisch hatte?
*) Name dem Bildblog bekannt







