Archive | Rezensionen

Vodafone schau her: Eplus kann Kundenservice!

Posted on 10 April 2008 by andre

Im Februar habe ich meinen vodafone Vertrag gekündigt, da die Eplus Zehnsation mir monatlich rund 17,50 € einspart. Bei der selben Leistung!

Bei Vodafone zahle ich im Moment 37,50 € für 100 Minuten in alle Netze und 100 SMS. Eine Vertragsform, die es laut der nette Dame, die mich nach meiner Kündigung anrief, “so gar nicht gibt”.
Aha. Sie erklärte mir dann Dies und versprach Das und am Ende bot sie mir dann zusätzliches Freitelefonieren am Wochenende für 5 € mehr an, wenn ich meine Kündigung zurückziehe.

Das war aber nicht, was ich wollte. Ich wollte weniger bezahlen und nicht mehr. Die Dame versuchte allerdings vergeblich mir noch mehr zu verkaufen. Die Entscheidung war bei so einer netten Behandlung natürlich schnell gefallen. Der Zehnsation Classic Web - Tarif von Eplus. 10 € Mindestumsatz, pro SMS 20 cent, pro Minute 10 cent. Dann noch 50 SMS frei, weil ich übers Netz bestellt habe und nochmal 50, weil ich unter 25 bin.
Macht 100 Minuten und 100 SMS für 10 €. Neues Handy dabei, monatlich nochmal 10 €, macht 20 € für die selbe Leistung. Eigentlich noch mehr, denn ich hab ja ein neues Handy dabei.

Auf meinen Anruf bei Vodafone hin wurde mir nur erklärt, dass sich am Angebot nichts ändern würde und sie sich auch nicht nochmal melden. Gut. Danke. Das wars dann Vodafone.

Ich wusste jetzt, das die Telefonhotline bei Eplus kostenpflichtig ist. Aber was kann mich erwarten? Schlechter Service? Dann ruf ich halt nicht an. Guter Service? Dann zahle ich auch gerne meinen Beitrag.

Also habe ich mir ein schickes Handy ausgesucht und ein paar Tage später lag dann auch schon alles auf meinem Schreibtisch. Das ist jetzt einen Monat her. Zeit für ein erstes Fazit:

Der Empfang mit Eplus steht dem von Vodafone in nichts nach und ist immer und überall vorhanden.
Im Kundenservice beweist Eplus allerdings, dass sie einen Schlüssel der modernen Dienstleistung gefunden haben. Im übersichtlichen Webportal sehe ich minutenaktuell meinen Rechnungsstand, meine verbleibenden Frei-SMS und wieviel ich von meinen 10 € Mindestumsatz noch übrig habe.
(Das geht bei Vodafone angeblich auch, aber ich habs aufgegeben, nachdem ca. 10 Mal mein Onlinezugang deaktiviert wurde, weil ich angeblich ein falsches Passwort hatte. Nach Stunden in der Kundendienstwarteschleife hab ich es dann aufgegeben.)

Den Telefonischen Kundenservice von Eplus habe ich noch gar nicht probiert. Muss ich auch nicht. Bei kleinen Problemen geht fix ne Mail raus und in der Regel kommt die Antwort noch am selben Tag. Bei schwierigen Sachen wird man sogar kostenlos angerufen. Das Personal ist kompetent und freundlich und mir bleibt nicht mehr zu sagen als:

Eplus, ihr habt verstanden wie Kundenservice funktioniert. Bei euch können andere eine Menge lernen!

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Six Nations Cup - Ein Selbstversuch

Posted on 23 Februar 2008 by andre

Schon seit Mitte der Woche dreht hier alles am Rad. Häuser werden mit bunten Flaggen geschmückt, Pubs in der Nähe des Stadions erhöhen die Preise und alte Männer in Röcken laufen durch die Straßen.
Es ist Rugbyzeit in Dublin.

Heute um 17 Uhr spielt Irland gegen Schottland. Der Gewinner des Six Nation Cup Turniers gilt als inoffizieller Rugbyeuropameister.

Schottland ist nach zwei Spieltagen siegloser Letzter und Irland ist auf Platz 3 mit einem knappen Sieg und einer knappen Niederlage.

Gestern bekam ich einen kleinen Vorgeschmack, als im Fernsehn die zweiten Mannschaften gespielt haben. Ein komischer Sport.

Durch Wikipedia habe ich mich kurz gebildet:

  • 15 Spieler je Mannschaft
  • Ein try gibt 5 Punkte (scheint ne Art Touchdown zu sein)
  • Conversation bringt 2. Das istn Tritt durchs Tor nach einem try
  • 3 Punkte gibts fürn Tritt durch die Stangen während des Spiels. Nennt sich Dropkick.
  • Der seltenere Penalty Kick bringt auch 3 Punkte

Mit dem Wissen und vermutlich meinem ersten Guinnes seit Jahren bewaffnet werde ich mich in zwei Stunden der Faszination Rugby stellen.

Cheers man!

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Angespielt: NHL 2008

Posted on 08 Januar 2008 by andre

Vor einer Woche habe ich es gewagt und mir NHL 2008 von EA Sports gegönnt.

Meiner Meinung nach gab es genau drei gute NHL Spiele von EA: 98, 2002 und 2004. An 2005 habe ich mich gar nicht versucht. Bei 2006 ließ der Torwart einen Schuss soweit abprallen, dass er in meinem Drittel landete und so verschwand das Spiel auch ganz schnell im Regal. 2007 war das lächerlichste Stück Mist, was EA je produziert hat. Selbst bei stärksten Torhütern konnte jeder halbwegs talentierte Spieler aus jeder Position mit jeder Schussstärke treffen. Mein erstes Spiel verlor ich damals mit 17:32. Nachdem drei weitere Partien mit ähnlichen Handballergebnissen gespielt waren verschwand das Spiel ebenfalls in der Schublade und ich war froh, dass ich mir 06 und 07 nicht gekauft, sondern lediglich geliehen hatte.

Deshalb war meine Angst vor 2008 ziemlich groß. Da es keine alternatives Eishockeyspiel für PC gibt ist natürlich klar, dass EA sich auch diesmal nicht groß anstrengen wird.

Tatsächlich lässt sich nach rund 18 Spielen schon sagen: Das Gesamtprodukt ist wieder Mist.

Das heißt aber auf keinen Fall, dass das Spiel an sich schlecht ist. Das macht, wenn man es vernünftig konfiguriert hat, sogar Spaß.

EAs schlampige  nicht so guten Programmierungen zeigten sich allerdinsg schon kurz nach dem Installieren.
Mein alt gedientes Gamepad sorgte dafür, dass die Menüwahl permanent rauf preschte.
Was will man dann im Spiel mit einem Spieler, der nur nach vorne und nicht rückwärts fahren kann? Also habe ich mir ein Logitech Gamepad gegönnt, bei dem prompt die selben Fehler auftraten. Da ich ja dieses Spiel endlich mal testen wollte bin ich also am nächsten Morgen in die Stadt und habe mir exakt das Gamepad gekauft, das EA vorschlägt. Ich hatte zwar nicht damit gerechnet, aber tatsächlich funktioniert das auch. Ob das jetzt Programmierschwäche oder eine clevere Verkaufsstrategie ist, wird man wohl nie erfahren. Beides würde ins Bild passen.

Genauso witzig, wie es angefangen hatte, ging es auch weiter. Das Gamepad funktionierte also, dann ab ins erste Spiel. Bully gewonnen - rein ins Drittel - Schuss - Tor! Tor? Nicht ganz. Der Puck lag tatsächlich unter Edmontons Goalie Dwayne Roloson. Der drehte sich fröhlich im Kreis. Ohne Pause im Kreis. Der Puck war also nicht im Tor und nicht davor. Ein Bug. Juhu.
Roloson drehte sich im Kreis, ich checkte ihn und seinen Verteidiger. Ich stocherte und schoss, aber nix passierte. Es piff auch keiner ab. Super. Also raus um ein Update zu ziehen, aber der Updateserver von EA war down. Na toll.

Nichts desto trotz hat sich das Spiel schon ein wenig verbessert. Nachdem man rausgefunden hat, dass die unsinnige Hybridsteuerung vor jedem Start umgestellt werden muss, kann das Spielvergnügen auch losgehen.
Die Sprüche sind zwar die selben wir noch 2004, der Torwart leidet bei Pässen unter einer derartigen Schwäche, dass sein Zuspiel selten die eigene blaue Linie erreicht, der Verteidiger als letzter Mann in der Rückwärtsbewegung kletter fix über die Bande und macht dem Gegner ein 1:0 möglich, Rückhandschüsse treffen grundsätzlich nicht und gehen in der Regel mindestens 2 Meter am Tor vorbei, nach einem gewonnenen Bully bleiben erstmal alle Spieler stehen, so dass man keine Anspielstation hat, aber sonst…

Sonst macht das Spiel schon Spaß. Natürlich hat EA es auch diesmal wieder nicht geschafft das Spiel vernünftig für 10 Minuten Drittel auszulegen. Will man ein realistisches Ergebnis darf man nur 15 Minuten für ein Spiel veranschlagen. Diesmal ist es sogar etwas schwerer durch die Mitte in das Drittel zu fahren. Auf das ganze Spiel gerechnet sind die Verteidiger allerdings nicht gut genug Schüsse, Pässe oder Spieler zu blocken. Schüsse aufs Tor kommen einfach zu leicht zustande und so muss der Torwart das alles ausbügeln. Es ist schwer zu glauben, dass ein Joe Thornton 15 Mal aufs Tor schießt und einfach nichts trifft. Aber deshalb heißt der Modus wohl auch “schwer”. Kurzum 40-60 Schüsse in 15 Minuten sind einfach zu viel.

Diese Punkte sind aber allesamt nicht so schlimm, dass sie einem das durchaus gelungene Spielvergnügen madig machen könnten. Es ist halt gut, aber kein aussergewöhnlicher Sprung nach vorne.

Was mich jedoch wirklich stört ist, dass EA das Menü einfach lieblos von der Playstationversion abgeklatscht hat. Reihenaufstellungen machen keinen Spaß, wenn man sich umständlich mit dem Gamepad durch die Menüs klicken muss und um mir für San Jose einen vernünftigen Back up zu traden habe ich knappe 10 Minuten gebraucht, bis ich rausgefunden habe, dass ich mit den Tasten die oben auf dem Gamepad sind das andere Team wechseln kann. Mit der Maus macht man da gar nichts und das nervt.

Abschließend gebe ich NHL 2008 im Perfekten-Dinner-Stil 6 von 10 möglichen Punkten, da das Spiel schon Spaß macht und ich noch keine Möglichkeit gefunden habe mit 100%iger Sicherheit ein Tor zu erzielen. Das Tempo ist schön hoch und man erkennt zu 2004 doch leichte Fortschritte. 4 Punkte Abzug gibts trotzdem wegen dem lachhaften und schlecht kopiertem Menü. Was könnte man alles aus dem Dynastymode machen……. Aber das bleibt wohl ein Traum.

Ich bin nun auch vorletzer in der Liga, mit 6 Punkten aus 18 Spielen.
Nur eins brachte mich zum schmunzeln. Letzter ist, mit einem Punkt weniger, St. Louis und ich finde, dass ist ein guter Schlusssatz. :)

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Weihnachtsmusik nervt, oder?

Posted on 19 Dezember 2007 by andre

Seit Jahren nerven mich in der Weihnachtszeit (September - Dezember) immer die selben Lieder. Jeder Radiosender dudelt sie rauf und runter, jedes Kaufhaus spielt sie in Schleife und auf jedem Weihnachtsmarkt bekommt man sie zu hören.

“Do They Know It’s Christmas?”, “Feliz Navidad”, “All I want for christmas is you” oder “Last Christmas” heißen die Übeltäter. Allesamt tolle Songs aber von den Radio- und Fernsehsendern so oft gespielt, dass ich jedes Mal umschalten muss wenn sie laufen. Deshalb sind Weihnachtslieder nichts für mich, habe ich beschlossen. Punkt. Aus. Ende.

Das änderte sich vor rund zwei Jahren, als mir eine CD mit dem Titel “Smooth Jazz Christmas” in die Hände gefallen ist. Seitdem ist auch bei mir Weihnachtsmusik wieder angesagt und ich habe meine Sammlung dieses Jahr um einige weitere Platten erweitert:

Christmas with the Rat Pack

“Christmas with the Rat Pack”war meine zweite Anschaffung. Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. wie man sie kennt, sie singen halt nur Weihnachtslieder. 21 Lieder umfasst das gute Stück. Davon viele Klassiker (Rudolph, Let it snow, Jingle Bells) und einige mir unbekannte Stücke (Christmas Walz, Mistletoe and holly, a marshmallow world), die allesamt interessant interpretiert werden. Einige sind witzig verswingt (Rudolph) andere sind schön ruhig und irgendwie - ich hasse dieses Wort - weihnachtlich. Blöd wenn man jetzt aus dem Fenster guckt und nicht eine Schneeflocke auf den Dächern liegt. Ein klasse Album und, obwohl sich vom Rat Pack und Co. in meinen täglichen Playlisten nichts findet, ist “Christmas with the Rat Pack” seit letztem Jahr zur Weihnachtszeit immer in meinem CD-Player.

Gregorian Christmas Chants

Das Album “Christmas Chants” von den Gregorian war so verdammt billig, dass ich einfach zugreifen musste. Der erste Eindruck war enttäuschend. Mit Gregorianik hat das hier mal nix zu tun. Gregorianik ist laut meinem früheren Musiklehrer (und Wikipedia) ein einstimmiger, unbegleiteter Choral in lateinischer Sprache. Zudem waren damalige Kirchenchöre nur mit Männern besetzt.
Die Stücke auf diesem Album sind weder einstimmig, noch sind sie auf Latein oder nur von Männern gesungen und eins sind sie schon gar nicht: unbegleitet.
Das mehrstimmige Chöre besser klingen ist keine Frage. Über die Sprache und die Frauen kann ich auch noch hinwegsehen, aber Gitarren, Schlagzeuge und Pseudoorgeln passen leider nicht darein.

Nach einiger Zeit voller Ärger habe ich die CD dann doch wieder hervorgeholt und bin etwas unvoreingenommener an die Sache gegangen. Im großen und ganzen schöner Chorgesang. Ruhig und mit guten Sängern besetzt, aber die instrumentale Begleitung finde ich immer noch fürchterlich.
Trotzdem ist das Album in der Playlist gelandet. Wenn so ein Song mal im shuffle auftaucht ist es eine nette Abwechslung und ich werde fast ein bisschen melancholisch.

Christmas with my friends

Mit “Christmas with my friends” zeigt Nils Landgren wieder, was für ein wandlungsvoller Musiker er ist. Zugegeben, ich hatte mir etwas ganz anderes von dieser CD erwartet, das Ergebnis ist trotzdem genial. Es ist kein Funk-knaller sondern besinnliche Weihnachtsmusik. Kaum Jazz, kaum Pop.
Dafür darf man hier auch Landgrens Stimme bei ruhigen Stücken bewundern oder lauschen, wie er zusammen mit einer Kirchenorgel das Ave Maria spielt. Klasse! Posaunenchöre und prominente Gäste (u.a. Viktoria Tolstoy und Lars Danielsson) runden das ganz ab. Traumhaft schön das letzte Stück “Stille Nacht, heilige Nacht”.

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Jazz Night 2007 – Konzerthaus Dortmund

Posted on 07 November 2007 by andre

Anfang August habe ich mich mal wieder über aktuelle Konzerte informiert und wurde im Konzerthaus Dortmund fündig. Zwar findet man hier hauptsächlich klassisches Programm, gerade in den letzten Jahren versuchen die Intendanten allerdings auch vermehrt junges Publikum ins Konzerthaus zu locken.

Ich war ziemlich überrascht. Mit Christina Stürmer unplugged, Die Happy, Wise Guys und Co. wurde ein Aboprogramm mit dem Titel “Pop mich!” angeboten.

Als ich mich dafür interessiert habe bin ich fast vom Hocker gefallen. Ich habe nämlich zufällig das Programm „Deutsche Börse Jazz Nights 2007“ entdeckt. Nils Landgren Funk Unit, Wolfgang Haffner & friends, Al Jarreau mit der NDR Big Band, Lyambiko…. Wahnsinn!

Für das Konzertprogramm mit Nils Landgren Funk Unit und für die Wise Guys habe ich mir sofort Karten bestellt.

Von der Akustik im Konzerthaus, die zu einen der besten der Welt zählt, hatte ich schon viel gehört und ich war gespannt, was Nils Landgren und seine Funk Unit daraus machen werde.

Am Freitag (19. Oktober) war es dann soweit und ich muss zugeben, dass ich ein wenig skeptisch geworden bin. Von Nils Landgren kannte ich die Platte „Funky Abba“ und “Paint it Blue”. Beides Meisterwerke, keine Frage. Aber ob man so was ein ganzes Konzertprogramm aushalten kann? Im Internet habe ich mich vorher schon informiert und rausgefunden, dass Nils Landgren neben Funk auch Rock, Pop, Soul, Hip Hop mit in seine Programme aufnimmt. Soweit kein Problem, aber der 51 Jahre alte Schwede hat leider keine Berührungsängste und interpretiert auch schwedische Volksweisen neu. Ob mir das wohl zusagen wird?

Am Mittag vor dem Konzert habe ich schnell die neue Ankündigung auf der Seite vom Konzerthaus Dortmund durchgelesen und wurde in meinen Zweifel noch bestärkt: „Viel Raum für Improvisation“ kann positiv, aber auch sehr, sehr negativ ausgelegt werden. Große Angst, dass sich irgendein durchgedrehter Trompeter fünf Minuten mit Kamikaze-Soli durch die Gegend quält, machte sich in mir breit. Also fuhr ich mit dem Vorsatz ins Konzerthaus: Wenns scheiße wird, dann hauen wir eben nach dem ersten Set ab!

Im Konzerthaus angekommen war ich sehr von dem Publikum überrascht. Wir waren zwar mit die Jüngsten, aber scheinbar hat es neben uns eine ganze Menge junger Leute mehr ins Konzerthaus gelockt. Alternative hat man genauso gesehen, wie die typische „Jazzoma“ aus dem Henkelmann. Natürlich fehlten auch die Spießer nicht, die sich zu Deutschlands Elite zählen, weil sie regelmäßig in Konzerte gehen, sich teure Pelzmäntel anziehen und sich 2cm dicke Schminkschichten ins Gesicht klatschen.

Mir war von Anfang an klar, dass solche Leute heute auf jeden Fall nicht auf ihre Kosten kommen würden und ich erwartete, dass von dieser Gruppe nach der Pause keine 10% mehr im Konzerthaus sein würden. Nils Landgren ist zwar einer der Bekanntesten in seinem Metier, aber das sind so Leute wie Eminem auch und mit denen kann sich auch nicht jeder anfreunden.

Genug drumrum geredet. Um 19:50 Uhr nahmen wir auf unseren Plätzen (Reihe 21, genau in der Mitte) platz. Während der Sets konnten wir auf jeden Fall nicht abhaun. Mist! Sich nur Wolfgang Haffner anzugucken rettet sicher nicht über eine Stunde nervige Musik….aus Angst wurde Panik.

Die Bühne war recht schlicht eingerichtet, aber das war ja auch nicht anders zu erwarten. Immerhin können Musiker ja mit ihrer Musik überzeugen und müssen nicht, wie die Bloodhound Gang oder Britney mit aufwendigen Bühnenshows von ihrer musikalischen Grütze und ihrem schlechten Playback ablenken.

Auf der Bühne stand: Ein Schlagzeug, ein Bass, ne Gitarre, ein E-bass, eine Hammond-Orgel mit nem Synth drauf, ein Flügel, sowie diverse Gesangsmikros.

Was mich zu diesem Zeitpunkt noch gewundert hat, war ein zweites Schlagzeug, welches durch den Flügel verdeckt wurde.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die Bühne zum zweiten Set umgebaut wird.

Dann kam der Knaller! Pünktlich um 20 Uhr kam ein Trio auf die Bühne.

Ein Trio? Wofür sind die ganzen anderen Instrumente? Sollte die großartige Funk Unit etwa gar nicht da sein?

Auf die Bühne kamen Wolfgang Haffner (drums), Lars Danielsson (bass) und Hubert Nuss (Flügel). Zack. Das wars. Kein Nils Landgren, keine Funk Unit. (Außer natürlich Haffner)

Die Drei legten auch ohne große Vorreden los. Wie langsam Wolfgang Haffner das erste Lied anzählte wunderte mich stark. Wenn das mehr als 60 bpm waren, fress ich n Besen! Die Musik, die das Trio aus ihren Instrumenten zauberten faszinierte allerdings nicht nur mich, sondern das gesamte, fast ausverkaufte Konzerthaus. Zwar waren die ersten Stücke mit langen Intros und recht langsamem Beat keine „Funkknaller“ aber trotzdem wahnsinnig abwechslungsreich und es war einfach spannend zuzuhören. Keine freakigen Soli, kein abgespackter Free Jazz. Nein! Melodiös, ruhig, entspannend, meditativ.

Haffner faszinierte mich auf ganzer Linie! Worauf der überall mit was rumgetrommelt hat verdient einfach Respekt. Anfänglich nur Besen, im weiteren Verlauf noch alle anderen Arten von Stöcken. Er trommelte auf den Rändern der Trommel, mit dem Halteende der Stöcke, auf den Becken, unter den Becken, am Rand der Becken. Alles, was ich nur als “kleine Effekte” kenne setzte Haffner regelmäßig ein. Wie er damit seinen Klang variiert hat überrascht mich immer noch.

Nach dem zweiten Lied war immer noch kein Nils Landgren in Sicht und ich schnappte mir mal das Programm. Genau zu diesem Zeitpunkt schnappte sich Haffner das Mikro und erklärte, er würde im ersten Set mit seiner Wunschformation sein auf DVD & CD erschienenes Programm Acoustic Shapes spielen. Aha. Landgren also erst im zweiten Set. Hätte man sich vorher ja auch besser informieren können. Stand schließlich dann auch im Programm…

Im weiteren Verlauf überzeugte der Schwede Danielsson am Bass sowohl in Soli, als abgestimmter Hintergrundmusiker für Pianomelodie oder als Lead. Ein Bass, der Melodie spielt? Ganz recht! Traumhaft! Ob zupfend oder streichen schaffte Danielsson es die unterschiedlichsten Fassetten in die Musik zu bringen. An einer Stelle wurde ich sogar an Nightwish erinnert, die ja auch gerne Streicher an markanten Positionen einsetzen.

Hubert Nuss am Piano spielte auch einen soliden Part, war aber in seinen Auftritten eher zurückhalten solide. Während Haffner manchmal für meinen Geschmack zu lange, aber dennoch brilliante Soli spielte, fielen die von Nuss eher kurz aus. Zu jedem Zeitpunkt brillierte er jedoch durch technische Perfektion und blitzschnelle Finger.

Das weitere Konzertprogramm von Wolfgang Haffner & friends verging wie im Flug.

Nach anfänglichen ruhigen Stücken rockte das Trio das Konzerthaus auf begeisternde Weise. Fast jedes Stück ging länger als 6 Minuten, aber das war völlig egal.

Höhepunkt des ersten Sets war, als Haffner anfing mit kleinen Gummihämmern, also dem Kinderspielzeug was immer quietscht wenn man damit hämmert, das Schlagzeug leise zu bearbeiten. Was anfänglich wie ein Witz wirkte, entwickelte sich schnell zu einem interessanten Klangerlebnis.

Ein weiteres Highlight war sicherlicht der Spaß, den die Musiker auf der Bühne hatten. Wenn Haffner noch mal ein paar extra Takte anzeigte und er immer wieder versuchte Danielsson und Nuss ins Leere laufen zu lassen.

Nach 50 Minuten, zum letzten Stück kam er dann auf die Bühne. Nils Landgren. Völlig unscheinbar. Schwarze Hose, weißes Hemd, Posaune. Peng. Hier passte die typische Aussage, wenn man mal eine Berühmtheit, eine Ikone sieht: Irgendwie hatte ich mir den jetzt größer vorgestellt.

Also nicht körperlich größer aber irgendwie… mehr halt.

Das letzte Stück war auch gerade so gar nicht Funky. Ein Vorgeschmack auf den zweiten Teil? Einmaliger Sound. Keine Frage. Eher ruhig, mittendrin auch ein wenig Swing aber eben nichts, was ich von Nils Landgren kannte.

Das war mir egal. Ich hab es einfach genossen und freute mich auf das, was mich nach der Pause erwarten würde. Interessant übrigens, wie der Chef der Funk Unit ganz unbekümmert unter Haffners Regie spielte. Sowas gibt´s wohl nur bei Musikern.

In der Pause drehten wir eine kleine runde im Konzerthaus und bewunderten den kleinen CD Laden und die gesamte Architektur und ich freute mich narrisch auf das zweite Set.

Zweites Set, zweite Band. Jetzt endlich kam die Funk Unit auf die Bühne.
Ray Parker Junior an der Gitarre, übrigens der Komponist der Ghoustbusters Titelmelodie, Magnum Coltrane Price am E-Bass, Magnus Lindgren am Tenorsaxophon und an der Flöte, Lillo Scrimali an den Keyboars (irgendwie sah der auf der Bühne anders aus) und natürlich Wolfgang Haffner an den Drums und Nils Landgren an der Posaune. Letzterer in einem schwarzen Anzug mit einem langen weißen Schal. Sehr cool!

Wer jetzt erwartet hat, dass es so ruhig weitergeht wie im ersten Teil konnte sich nicht mehr geirrt haben.

Schon das erste Stück der Licence to Funk Platte versprach Spaß bis zum Ende. Bis zum Anschlag aufgedrehte Boxen donnerten die Funkmusik durch das Konzerthaus. Was mich am meisten gewundert hat, ist, dass wirklich jeder zum Rhythmus mitgewippt hat. Egal ob Jung oder Alt, alle sind sie dem Meister des Funks verfallen.

Landgren begeisterte nicht nur an der Posaune, sonder auch beim Gesang genauso, wie Price und Parker. Haffner bliebt im Vergleich zum ersten Satz ziemlich im Hintergrund. Brilliant gespielt, aber im zweiten Set können ja nicht alle in der ersten Reihe stehen.
Price, der eher wie ein kleiner Hip Hopper aussah startete mit dem Song “House Party” einen seiner zahlreichen Gesangsparts. Scrimali blieb, wie Nuss am Anfang, ebenfalls im Hintergrund und hatte nur bei einem Stück, wo er mit Landgren alleine auf der Bühne stand, seinen großen Moment. Alles in allem blieb er für meinen Geschmack auch ein bisschen desinteressiert im Vergleich zu den anderen ging er nicht wirklich mit.

Das Programm baute sich von Stück zu Stück immer weiter auf und als Landgren zum Mikro griff war ich erneut überrascht. Neben schwedisch spricht er noch fließend englisch und deutsch. Schon interessant. Landgren grinste ins Publikum und sagte, dass es schade sei, dass es hier keine Tanzhalle ist sondern ein Konzerthaus. Aber er erinnert sich nicht, dass es ein Spontantanzverbot in Deutschland gibt. Er hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können. Schon beim nächsten Lied stand das ganze Konzerthaus und alles tanzte.
Die Funk Unit hat gerade einmal 15 Minuten gespielt und - zack - alles stand. 1500 Leute. Die jungen gingen natürlich richtig mit, aber auch der 80 jährige Opi auf dem Balkon (Kommentar meiner Freundin: “So hat der auch unter Hitler getanzt”) ging ab, genauso, wie die streng aussehende ältere Dame auf dem Balkon, die beim Tanzen aussah, als würde sie etwas verdammt unanständiges tun. Naja, genaugenommen standen nur 1497 Personen. Drei Spießer vor mir blieben sitzen, verschränkten die Arme und guckten die restliche Zeit die Rücken ihrer Vorderleute an. Ein Spaß auf ganzer Linie!

Lustig zu sehen ist übrigens, wie grobmotorisch manche Menschen sind.
Nach rund zwei weitern Stücken stand immer noch (fast) alles, allerdings hat es mittlerweile rund 300 Tänzer vor die Bühne gezogen. Und was macht Landgren? Er legt die Posaune weg, steigt von der Bühne und tanzt erstmal ein bisschen mit. Zwischendrin durfte das Publikum auch ein bisschen singen. Das ganze war so genial, dass ich genaue Details gar nicht mehr beschreiben kann. Ich weiß nur noch, dass Landgren zweimal zur Zugabe rausgerufen wurde und das die drei Miesepeter vor mir beim letzten regulären Stück aufsprangen und gehen konnten. Gott was müssen die einen schönen Abend gehabt haben. Ich hatte ihn auf jeden Fall!

Alles in allem ein wahnsinnig genialer Abend! Leider war die Schlange zum Autogramme holen so lang, dass ich es irgendwann aufgegeben habe. Aber die Funk Unit kommt bestimmt nochmal in die Region, dann bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

Die CD habe ich mir noch am Abend bestellt.

Nun stellt sich mir doch noch die Frage, ob man sich in Kürze Al Jarreau oder Lyambiko geben soll….

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