Ich bin dabei! - Das sage ich nicht ganz ohne Stolz, denn ein bisschen Überwindung hat es mich schon gekostet. Zwar musste ich bei einem der regelmäßigen Blutspendetermine im Jahr nur ein paar Milliliter mehr abgeben, aber der Respekt vor dieser großen Nadel die irgendwann kommen könnte, ist doch da. Trotzdem schlummert der Gedanke, mich in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (www.dkms.de) eintragen zu lassen, schon lange in mir und heute habe ich es endlich getan.

Ich spende nicht für Kinder in Kriegsgebieten, nicht für Menschen, die sich bei Wind und Wetter aufopfern um Schiffsbrüchige zu retten (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) und auch nicht für die, die Essen an Bedürftige ausgeben (Die Tafeln). Und JA, manchmal macht mir das ein schlechtes Gewissen. Ich zahle zwar meine Kirchensteuer, aber ich denke oft drüber nach, ob das Geld nicht irgendwoanders besser angelegt wäre.
Seit ein paar Jahren gehe ich nun schon Blutspenden. Nicht, weil ich sonst nichts Spende und schon gar nicht um mein Gewissen zu beruhigen. Ich habe einfach das Gefühl es ist das Richtige. Irgendwie ist das Gefühl schwer zu beschreiben. Entweder man kennt es, oder man kennt es nicht. Aus demselben Grund habe ich mich jetzt auch in die Datenbank für Knochenmarkspenden eintragen lassen.

Was bedeutet das für mich? Das ist einfach. Erstmal fehlt mir nur ein bisschen mehr Blut als nach einer normalen Blutspende. Irgendwann in den nächsten Jahren könnte ich allerdings einen Anruf bekommen, indem mir mitgeteilt wird, dass meine Stammzellen eventuell jemandem das Leben retten können.
Der Infoflyer klärte mich auf, das im Schnitt 6000 Menschen jährlich an Leukämie erkranken und die Krebsgesellschaft (http://www.krebsgesellschaft.de) spricht sogar von 9.200. Für viele ist die Knochenmarkspende (nicht zu verwechseln mit Rückenmark!) die einzige Überlebenschance. Rund fünf Spender können täglich kranken Menschen Hoffnung auf ein neues Leben geben. Ist das nichts?
Die Nadel ist auch Geschichte, den mittlerweile kann man Stammzellen auch aus dem Blut filtern. Nebenwirkung: Grippesymptome. Das ist unangenehm, aber immer noch nicht so schlimm, wie eine dicke Nadel in der Hüfte oder eben so schlimm wie Leukämie. Eine Operation entfällt auch und Stammzellen wachsen mir nach. Alles kein Problem.
Damit es wirklich zu einer Spende von Stammzellen kommt, ist die Übereinstimmung von mindestens sechs Gewebemerkmalen, so genannten HLA-Merkmale, zwischen Spender und Patient notwendig. Diese ist aber äußerst selten, da über 2.400 verschiedene Merkmale bekannt sind. Logischerweise ergibt das Abermillionen Kombinationen.
Vielleicht hat ja jemand Glück und genau meine Merkmale helfen ihm gesund zu werden. Ich warte also auf eine Nachricht und solange gehe ich weiter jedes Quartal Blutspenden. Geld will ich dafür nicht haben. Aufwandsentschädigungen gibt es zwar je nach Ort und Konservenknappheit bis zu 75 Euro, aber die Untersuchung, Entnahme etc. kommt die Krankenhäuser und Spendedienste schon teuer genug. Ich spende beim DRK (Blutspendetermine) und bekomme ein belegtes Brötchen, eine Tafel Ritter Sport und ein ernstgemeintes Danke.
Das reicht mir.